Die Flugzeugbasis in Säkylä 1940

Säkyläs Flugzeugbasis 1940

Nachdem der Winterkrieg im Dezember 1939 anfing, erwachte in den westlichen Ländern Europas, insbesondere in Frankreich, England und Schweden, ein starker Wille die Finnen zu unterstützen. Als Finnland Hilfe u.A. in Form von Flugzeugen versprochen wurde, beschloss man, die Kampfflugzeugflottille 28 zu gründen, um diese Flugzeuge anzunehmen. Zuerst wurde als Ausrüstung Flugzeuge des Typs Gloster Gladiator geplant, jedoch wurden am 15.1.1940 30 vom Frankreich geschenkte Morane Saulnier –Kampfflugzeuge als Ausrüstung für die Flottille festgelegt. Als Anführer der Flotte wurde Major Niilo Jusu ausgewählt. Zur gleichen Zeit wurden der Flottille Piloten, Mechaniker und technisches Personal zugeteilt. Major Jusu kam am 8.12.39 in Utti an und begann, Material und Ausrüstung für die Flottille zu sammeln. Es gelang ihm auch, wichtige Ausrüstung von verschiedenen Depots zu ergattern. Ausser Ausbildung fiel der Flottille auch die Luftverteidigung von West-Finnland. Ein passender Ort für die Basis wurde am 9.1.1940 am Strande der Pyhäjärvi (Heiligsee) gefunden.

Das Personal der Basis begann Mitte Januar in Säkylä anzukommen und sie begannen unter der Führung Major Jusus die Bauarbeiten der Flugzeugbasis. Die Basis lag im Gebiet des Trainingszentrums von Munakunta. Nach der Anfangsverwirrung brachten die Bewohner von Säkylä ihren Besuchern viel Freundlichkeit entgegen. Es wurde befürchtet, dass die Basis Bombardierung auf sich ziehen würde, diese Angst bewies sich jedoch als unbegründet, da Säkylä während des Krieges keine einziges Mal bombardiert wurde. Die Gemeinde lebte mit der neuen Basis auf, da die Basis viel Hilfe mit Materialien und allerlei Aufgaben benötigte. Das Personal von der Flugzeugbasis wurde von den Bewohnern von Säkylä in ihre Häuser aufgenommen, es gab Häuser, in denen bis zu 20 Piloten hausten und ein Haus wurde unter dem Maschinenmeister M. Tulensalo als technischer Büro verwendet.

Am 21.2.1940 konnte Major Jusu die Basis als einsatzbereit erklären. Zugleich wurde vom Landen außerhalb der Landebahnen gewarnt, da dies wegen den Fischwuhnen gefährlich war. Am nächsten Tag bruchlandete ein russischer Bomber auf Köyliönjärvi, einige Kilometer von Pyhäjärvi nachdem es von der Flugbasis aus angeschossen wurde. Dort wurde nach einem kurzen erbitterten Kampf mit den Piloten, bei dem zwei von ihnen umkamen und einer gefangen genommen wurde, alles Nutzbare vom Flugzeug genommen und verwendet. am 4.2.1940 kamen die ersten Moranes aus Malmö, Schweden an. Sie waren dort gebaut und getestet worden. 6 Tage später wurden mit den 8 Kampfflugzeugen schon regelmäßig Flüge gestartet und die Ausbildung der Piloten erfolgte wie erwünscht. Das kalte Wetter gab den Mechanikern etwas Zusatzarbeit. Die Flugzeuge wurden in Bunkern aus Eis aufbewahrt und es wurden dazu auch Wärmekästen gebaut, um die Motoren der Flugzeuge aufzuwärmen. Probleme bereiteten das kalte Wetter, die mangelnde Ausrüstung und eine Sprachbarriere, da die Anleitungen zum größten Teil auf Französisch waren.

 

Langsam gewöhnten sich die Piloten jedoch an die neuen Flieger und verstanden, dass diese technisch sehr fortgeschritten waren. Die französischen Kampfflugzeuge waren schneller, als die russischen, die Bewaffnung war jedoch zu schwach und die drei 7,5 mm Maschinengewehre reichten nicht immer aus.

Mitte Februar wurde auch der Luftkrieg aktiver. Die Flugzeuge wurden zu Flugabwehrkämpfen nach Rauma und Pori geschickt. Der Mangel an Radiosendern und Flugabwehrradaren verhinderte schnelle Abwehrflüge. Der erste Luftkampf fand am 17.2. statt, nach Leutnant T. Hyrkki: „Ich war bei einem Abwehrflug im Gebiet von Pori, als ich Bombenexplosionen bei Mäntyluoto und Reposaari bemerkte. Da sah ich auch 9 feindliche Bomber 3000m über mir in Richtung Süd-Westen fliegen. Ich habe die Flugzeuge über Uusikaupunki eingeholt. Danach begann ein Luftkampf zwischen mir und ihnen, der weiterging, bis ich keine Munition mehr an der Seiten-MGs hatte und der mittlere ein technisches Problem erwiderte. Die Flugzeuge verschwanden in Richtung Estland, wobei einer von ihnen an Höhe verlor. Vom Absturz gibt es jedoch keine Beweise. Am gleichen Tag bei einer Abwehrmission südlich von Uusikaupunki, etwa 30 km über dem Meer, sah ich einen feindlichen DB-Bomber. Ich habe diesen verfolgt und es geschafft, ein beträchtliches Loch in seine Tanks zu schießen. Diese fingen an zu brennen und das Feuer hat sich über das ganze Flugzeug verbreitet. Der Pilot sprang aus dem Bomber mit einem Fallschirm und direkt danach explodierte der Bomber. Die Bewohner der Insel haben das mitbeobachtet und meldet es der Luftverteidigung von Turku.“

Die Flugzeuge wurden teilweise direkt nach ihrer Ankunft in Säkylä auf Abwehrmissionen geschickt, wie eine vom Leutnant Mikko Linkola erzählte Geschichte zeigt: „Ich hatte gerade ein Saulnier nach Säkylä gebracht und war gerade ausgestiegen, als der Alarm geläutet wurde. Da der Motor noch warm war, wurde ich mitgeschickt. Ich hatte noch mein Gepäck im Flugzeug und hatte Zivilkleidung an, da diese im parteilosen Schweden erforderlich war. Wir sind schleunigst nach Rauma geflogen, wo eine Bombardierung im Gange war. Ich habe ein Bomber verfolgt und heruntergeschossen. Das Bomberwrack hat ein Loch im Eis hinterlassen und wurde somit als abgeschossen bestätigt. Direkt nach meiner Landung zurück in der Basis wurde ich befohlen, zurück nach Schweden zu kehren und noch ein Kampfflugzeug zu holen. Ein Auto wartete schon auf mich, um mich nach Turku zu fahren, von wo aus die Reise weiter nach Schweden gehen würde. Flugzeuge wurden fast täglich aus Schweden gebracht, immer, wenn das Wetter es erlaubte.“

 Am 22.2. wurde eine Abteilung unter Leitung vom Leutnant Turkki nach Turku verlegt. Dort wurde die Stadt mit 6 Kampfflugzeugen verteidigt. Es wird gesagt, dass wegen der Abteilung in Turku mehrere Bomber aus Estland umkehrten und nie dazu kamen, die Stadt zu bombardieren. Auch die Bombardierungen auf Pori und Rauma hörten nach Februar auf.

Am 6.3. wurden 7 Moranes nach Hollolla und 6 nach Utti verfrachtet, um die Luftabwehr dieser Gebiete zu stärken und um an den kritischen Luftkämpfen in der dortigen Gegend teilzunehmen. Die Moranes waren sehr erfolgreich in ihren Aufgaben und errangen mehrere Siege in den Kämpfen.

Aus England wurden nach Finnland Hurricane –Kampfflugzeuge geschickt, von denen kamen 8 in Säkylä an. Trotz den Wünschen der Piloten gab es keine Zeit die Hurricanes für Abwehrkämpfe zu benutzen, sondern sie wurden als Finnlands „Ass im Ärmel“ aufbewahrt.

Am 11.3. leisteten drei Moranes den letzten Flugkampf der Flottille im Winterkrieg. Zwei Tage später war der Winterkrieg zu Ende. Die Flugzeugbasis in Säkylä operierte zwar nur eine kurze Zeit, jedoch wurden von dort beinahe 300 Flüge gestartet, von denen 28 in einen Flugkampf führten. Bei den Kämpfen wurden 14 russische Flugzeuge und nur 1 Morane abgeschossen.

Nach dem Krieg wurde in der Basis die Ausbildung der Piloten und Mechanikern fortgesetzt. Die Basis war sehr international mit polnischen, englischen und französischen Mechanikern und dänischen Piloten. Am 20.3. ist der vielversprechende Pilot Matti Hakala bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Das Flugzeug ist in die Pyhäjärvi gekracht und wurde 1980 von dort gehoben. Als der Sommer kam und das Eis schmolz, musste die Basis nach Turku verlegt werden. Das war das Ende der Flugzeugbasis in Säkylä.

Die Auswirkungen der Basis müssen teilweise als weltpolitisch und psychologisch angesehen werden. Die Information, dass die westlichen Länder Finnland unterstützten trug seinen Teil zum Ende des Krieges bei. Als die Zahlen, die Stalin erhielt, mehrfach der Wahrheit entsprachen, war dies ein wesentlicher Teil der Friedensentscheidung in Moskau. Die Sowjets wollten auf keinen Fall alleine einen Krieg gegen England und Frankreich erwägen.

 

Quallen:
Personal von Säkyläs Flugbasis

Kriegs-Archiv

Joppe Karhunen: Kuolevien kotkien laivue

Kalevi Keskinen, Kari Stenman & Klaus Niska: Ilmavoimien Historia 4

Risto Pajari: Talvisota ilmassa